Verfasst von: BFH | 5. April 2009

Horst Dreher – Brüche und Bruchlandungen eines Bundesligatorhüters

Horst hat´s mal wieder erwischt. (Foto: Pressebilderdienst Horstmüller)

Horst hat´s mal wieder erwischt. (Foto: Pressebilderdienst Horstmüller)

Kreuzband- und Muskelfaseriss, Meniskusschaden und Mittelfußbruch – sie sind der Albtraum eines jeden Fußballprofis. Weil diese Verletzungen den Spieler erheblich zurückwerfen und eine Karriere sogar vorzeitig beenden können. Das spürten auch die hoffnungsvollen Fußballbundesligatorhüter René Adler (Bayer 04 Leverkusen) und Manuel Neuer (FC Schalke 04), die sich durch ihre Verletzungen in der Nationalmannschaft zunächst hinter Robert Enke anstellen mussten. Doch was dem Torhüter Horst Dreher in seiner vergleichsweise kurzen Bundesligalaufbahn passierte, dürfte bis heute im bundesdeutschen Profifußball einmalig sein.

Bevor der Stein ins Rollen kam

 

Die Fußballerlaufbahn des gebürtigen Schwaben Horst Dreher begann eigentlich recht verheißungsvoll. Dreher absolvierte insgesamt 13 Jugendländerspiele und zählte Anfang der 70er-Jahre zu den großen Torhütertalenten. Ein Talent, das aber bei seinem Stammverein VfB Stuttgart im Profibereich mit Helmut Roleder und Gerhard Heinze zwei starke Konkurrenten vor sich sah.

Im Sommer 1974 flüchtete Dreher deshalb zum damaligen Zweitligisten Arminia Bielefeld, wo er jedoch zwei Jahre lang den erfahrenen Gerd „Bulli“ Siese nicht verdrängen konnte; das schaffte erst sein Nachfolger – ein gewisser Uli Stein.

Dreher indes wechselte vor der Saison 1976/77 zum frischgebackenen Zweitligaaufsteiger Bonner SC. In den meisten seiner insgesamt 15 Saisoneinsätze bestach Dreher durch Reaktion und Sprungkraft. Doch er leistete sich auch Fehlgriffe und konnte sich deshalb in dieser Spielzeit nicht entscheidend gegen den österreichischen B-Nationaltorhüter Herbert Höller durchsetzen.
Es kam noch schlimmer. Der Bonner SC schaffte zwar knapp den Klassenerhalt, bekam aber für die kommende Spielzeit aus wirtschaftlichen Gründen keine Profilizenz. Statt den Bällen nachzufliegen, musste Dreher plötzlich beim Arbeitsamt stempeln gehen.

Endlich in der Gunst der Glücksgöttin

 Das Stehaufmännchen gab aber nicht auf und kämpfte sich über die Amateurelf von Fortuna Düsseldorf wieder in den Profifußball zurück. Ab der Saison 1979/1980 stand Dreher dann bei der Fortuna erstmals in einem Erstligakader. Jetzt schien der ewige Wartekandidat bei Fortuna endlich in die Gunst der gleichnamigen Glückgöttin zu rücken.

Es kam noch besser: Weil der etatmäßige Keeper Jörg Daniel zunehmend schwächelte, schenkte Trainer Otto Rehhagel dem bundesligaunerfahrenen Ersatzmann Dreher am letzten Spieltag der Hinrunde gegen den MSV Duisburg erstmals das Vertrauen. Dreher feierte eine gelungene Premiere: Düsseldorf siegte mit 1-0 und der Torwart katapultierte sich durch eine hervorragende Leistung beim Fachmagazin „Kicker“ in die „Elf des Tages“.

Eine unheimlich Pechsträhne

 Dem verheißungsvollen Debüt folgte jedoch bereits nach drei Rückrundeneinsätzen eine geradezu unheimliche Pechsträhne. Am 20. Spieltag musste Dreher gegen den 1. FC Köln wegen einer Zerrung bereits nach 24. Minuten das Spielfeld vorzeitig verlassen.
Zwei Wochen später stand er dann im DFB-Pokal-Achtelfinale beim Karlsruher SC wieder im Kasten – und erlebte den Schlusspfiff wiederum nicht.

Der Hitzkopf hatte in der 81. Minute wegen eines umstrittenen Elfmeters den Ball wutentbrannt auf die Tribüne gedroschen und dafür von Schiedsrichter Norbert Brückner postwendend die Rote Karte kassiert. Dreher regte sich dummerweise völlig unnötig auf, denn seine Fortuna führte zu diesem Zeitpunkt bereits mit 5-3.
Nach einer zweiwöchigen Sperre überschlugen sich dann die Ereignisse. Im zweiten Spiel nach seiner zweiwöchigen Sperre erlitt Dreher gegen Borussia Dortmund in der 25. Minute nach einem Zweikampf zunächst eine schwere Gehirnerschütterung.
Erneut war der Pechvogel zum Zuschauen verurteilt. 14 Tage später stand er aber gegen Eintracht Braunschweig wieder im Tor.

Doch der Fußballgott wollte Dreher offensichtlich nicht in der Bundesliga sehen. In der 69. Minute brach er sich nach einem Zusammenprall schließlich Schien- und Wadenbein! Damit endeten für Dreher innerhalb eines Monats vier seiner fünf Einsätze vorzeitig durch Platzverweis und Verletzungen – ein ebenso tragischer wie wohl einmaliger Bundesligarekord.

Die letzte Chance

Der Vorhang schien gefallen. Anschließend verschwand Dreher für 18 Monate von der Bundesligabühne. Doch er sollte noch einmal eine Chance bekommen.
Weil Dauerkonkurrent Daniel den Verein verließ, wurde Dreher von Trainer Jörg Berger vor der Saison 1981/82 zur neuen Nummer eins gekürt. Doch war es die mangelnde Spielpraxis oder das fehlende Vertrauen des Trainers: Dreher konnte an die einstigen Leistungen nur noch selten anknüpfen.

Stattdessen machte er das, was ein Torhüter besser vermeiden sollte: Er begann, an sich zu zweifeln. „Es wird für uns Torleute immer schwerer“, jammerte er im „Kicker“. Ahnte er bereits, dass die Uhr für ihn ablief? Im Januar 1982 war es dann so weit: Dreher segelte am 18. Spieltag ausgerechnet gegen Ex-Verein VfB Stuttgart an einem eher harmlosen Aufsetzer vorbei und damit endgültig ins sportliche Abseits.

Dreher flog bei der Fortuna aus dem Tor und kehrte nie mehr dorthin zurück. 1983 wechselte er zum Amateurligisten Wuppertaler SV. Später kickte er noch für den bergischen Fußballklub SV Wermelskirchen. Dann verlieren sich seine fußballerischen Spuren …

Horst Drehers Profibilanz als Fußballtorhüter:
23 Spiele in der 1. Bundesliga für Fortuna Düsseldorf (1979-1982)
27 Spiele in der 2. Bundesliga für DSC Arminia Bielefeld und Bonner SC (1974-1977)

 
B. F. Hoffmann ist Autor der Fußballbücher
Das große Lexikon der Bundesligatorhüter
Die legendären WM-Torhüter – ein Lexikon

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: