Verfasst von: BFH | 11. Juni 2009

Die Bundesliga-Torhüter-Rückrunden-Rangliste 2008/09

Hat gut lachen: Robert Enke (Foto: Hannover 96)

Robert Enke (Foto: Hannover 96)

Die Bundesligasaison 2008/09 ist beendet. Zeit für Kultkeeper, Bilanz zu ziehen. Wie haben sich die Bundesligatorhüter aus der Affäre gezogen? Wer war Sieger, wer wurde zum Verlierer, wer gar zum Absteiger? Nachfolgend die große Rückrundenbilanz 2008/2009:

Prädikat „Überragend“
Keiner

Prädikat „Sehr Gut“
Robert Enke (Hannover 96)
Trotz schwerer Verletzung meldete sich Robert Enke in der Rückrunde eindrucksvoll zurück. Hinter einer wackligen Abwehr war er der einzig beständige Faktor. Zudem eroberte er sich durch gute Leistungen den vorläufigen Nummer-1-Status in der Nationalmannschaft zurück.

Prädikat “ Gut“
1. Diego Benaglio (VfL Wolfsburg)
Der Schweizer Nationaltorhüter schien schon auf dem absteigenden Ast. Diego Benaglio patzte so regelmäßig, dass er sogar seinen Platz an Ersatzmann André Lenz zu verlieren drohte. Doch in der entscheidenden Meisterschaftsphase avancierte Benaglio wieder zum wichtigen Rückhalt.

2. Dennis Eilhoff (DSC Arminia Bielefeld)
Bielefeld ist abgestiegen, was aber nicht an Dennis Eilhoff lag. Der Mann mit den (zu) kurzen Ärmeln rettete durch seine Paraden viele Punkte. Eilhoff lässt in der Strafraumbeherrschung aber häufig zu wünschen übrig.

3. Gerhard Tremmel (FC Energie Cottbus)
Tremmel hat sich als Führungsfigur und Rückhalt in Cottbus etabliert und in der Rückrunde nur gegen den 1.FC Köln entscheidend gepatzt. Der Münchner zeigte viele gute Paraden, ließ sich aber manchmal von Freistößen überraschen.

4. Jaroslav Drobny (Hertha BSC Berlin)
Insgeamt bestätigte der Tscheche seine hervorragenden Leistungen. Drobny besaß seinen entscheidenen Anteil am Berliner Höhenflug und war besonders beim 3-1-Sieg gegen den FC Bayern München schier unüberwindlich; dennoch nicht fehlerfrei.

5. Tim Wiese (SV Werder Bremen)
Der umstrittene Werder-Keeper verfügt über eine blendende Reaktion auf der Linie und erwies sich mit drei gehaltenen Elfmetern im DFB-Pokal-Halbfinale gegen den Hamburger SV als Matchwinner. Dennoch irrt Wiese immer noch zu häufig orientierungslos durch seinen Strafraum und kassiert dadurch vermeidbare Treffer.

Prädikat „Befriedigend“
1. Roman Weidenfeller (Borussia Dortmund)
Eine solide Rückrunde ohne zu überragen. Das Thema Nationalmannschaft dürfte gegessen sein.

2. Manuel Neuer (FC Schalke 04)
Zu häufig noch schwankt Neuer zwischen Welt- und Kreisklasse. Tolle Paraden wechseln sich mit anfängerhaften Fehlern ab. Nach seinem überzeugenden Nationalmannschaftsdebüt gegen die Arabischen Emirate ist Neuer dennoch ein „neuer“ Kandidat für die WM 2010.

3. Logan Bailly (Borussia Mönchengladbach)
Mit dem exzentrischen Belgier im Tor schaffte Gladbach den Klassenerhalt. Der reaktionsschnelle Bailly trug dazu sein Scherflein bei und strahlte besonders in den letzten Spielen die nötige Ruhe aus. Dennoch kassierte er, wie zuvor sein Kontrahent Christopher Heimeroth, einige vermeidbare Gegentore. Bei seinem hochgelobten Spiel gegen Werder Bremen hatte Bailly mehrfach Glück, dass er angeschossen wurde.

4. Jens Lehmann (VfB Stuttgart)
Nach wie vor eine Reizfigur, die aber besonders durch sein Charisma positiv auf die Vorderleute wirkt. Ausstrahlung und Erfahrung sind bei Jens Lehmann allerdings mittlerweile herausragender als sein Reaktionsvermögen.

5. René Adler (Bayer 04 Leverkusen)
Der Absteiger der Saison. René Adler hatte nach Robert Enkes Verletzung und seinem gelungenen Nationalelfdebüt alle Trümpfe in der Hand. Doch der so hochgelobte Überflieger konnte nur einmal, beim 2-1-Sieg bei Schalke 04, an seine herausragenden Leistumgen anknüpfen. Viel häufiger waren Patzer, Stellungsfehler und Irrflüge.

6. Faryd Mondragon (1.FC Köln)
Der kolumbianische Ex-Nationaltorwart konnte sich im Gegensatz zur Hinrunde steigern und erwies sich als solider Vertreter seines Fachs.

 

Prädikat „Ausreichend“
1. Timo Hidebrand (TSG Hoffenheim)
Timo Hildebrand startete katastrophal und konnte sich dann gegen Ende der Hinrunde deutlich steigern.

2. Frank Rost (Hamburger SV)
Der früher so zuverlässige Modelleisenbahnfan Frank Rost patzte so häufig wie nie zuvor.

3. Hans-Jörg Butt (FC Bayern München)
Durch Rensings Schwächen feierte der eigentlich schon abgeschriebene Hans-Jörg Butt ein unerwartetes Comeback. Butt hielt bei Bayern ähnlich wie bei Bayer Leverkusen. Gelegentlichen Glanztagen folgen immer wieder regelmäßige Patzer.

4. Markus Pröll (Eintracht Frankfurt)
Das positivste für Pröll in der Rückrunde: endlich blieb er mal ein paar Spiele hintereinander verletzungsfrei.

5. Oka Nikolov (Eintracht Frankfurt)
Der hessische Dauerbrenner ist das personifizierte Mittelmaß und kam eigentlich nur durch Verletzungen Prölls erneut zum Einsatz.

 

Prädikat „Mangelhaft“
1. Daniel Haas (TSG Hoffenheim)
Immerhin stieg der einstige TSG-Stammtorhüter Daniel Haas in dieser Saison wieder von der Nummer 3 zur Nummer 2 auf. Hätte durch Hildebrands Verletzungen sogar Chancen auf mehr gehabt, leistetet sich aber in der Rückrunde immer wieder krasse Aussetzer.

2. Daniel Fernandes (VfL Bochum)
Der Portugiese ist das große Torwartwunder der Saison. Es ist nämlich absolut verwunderlich, warum der Fliegenfänger trotz zahlreicher Patzer und Pannen 31 Saisonspiele absolvieren durfte.

3. Michael Rensing (FC Bayern München)
Die Enttäuschung des Jahres, der sogar gegen den eher durchschnittlichen Butt seinen Stammplatz verlor.

Prädikat „Ungenügend“
Keiner

Nicht bewertet aufgrund zu weniger Spiele: Phillip Heerwagen (VfL Bochum), Christian Vander (SV Werder Bremen), André Lenz (VfL Wolfsburg), Thomas Kessler (1. FC Köln). Mathias Schober (FC Schalke 04), Ramazan Özcan (TSG Hoffenheim), Jan Zimmermann (Eintracht Frankfurt), Florian Fromlowitz (Hannover 96)

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Responses

  1. […] wurde zum Verlierer, wer gar zum Absteiger? Nachfolgend die große Rückrundenbilanz 2008/2009. Auf Kultkeeper gibts die große […]

  2. Kompliment: Die Bewertung zeugt von hoher Sachkenntnis. Nur bei Frank Rost hätte ich mindestens auf ein „Befriedigend“ erkannt. Wenn man alle HSV-Spiele sieht, erkennt man, welche Führungspersönlichkeit Rost ist. Nicht nur Fangen, Fäusteln und Rauslaufen sind gefragt. FR ist mehr. Wegen ständiger Wechsel in der Verteidigung hatte er es in der vergangenen Saison besonders schwer. Leute wie Gravgaard haben ihm manches „Ei“ gelegt. Das darf nicht zu seinen Lasten gehen. Auch Frontmänner dürfen nicht ganz alleine gelassen werden.
    Tim Wiese überhaupt in die Liste aufzunehmen, ist – bei allem Respekt – unverzeihlich. Wiese muss wegen schlechter „Kopfnoten“ ausgeschlossen werden – auch für die Nationalmannschaft. Nicht umsonst hat ihm u.a. kürzlich auch der Hamburger Bürgermeister eine schlechte Note wegen unsportlichen Verhaltens verpasst. Aber wenn Nationalspieler heutzutage schon ihren Kapitan auf dem Platz schlagen dürfen . . .
    Walter Schulz, Köln-Porz

  3. Ob der arme Michael Rensing solch einen Tadel wirklich verdient hat, bezweifle ich stark. Wenn ein Trainer wie Jürgen Klinsmann seine eigene Nummer eins über Monate demontiert (JK wollte ja schon vor Saisonbeginn den Thomas Kraft zwischen die Pfosten stellen, wurde aber von Hoeneß zurückgepfiffen), sollte das wenigstens kurz Erwähnung finden.

    Das ist so, als würden Redaktionsmitglieder gegen Kollegen hetzen. 😉

    Ich wette, dass Rensing bei den Bayern bleibt und eine tolle Saison unter Louis van Gaal spielt!

    Ansonsten kann ich die Bewertung fast komplett unterschreiben. Aber vielleicht ist der Rost etwas zu schlecht weggekommen, habe ich gehört… ^^
    Lars Heyltjes, Wuppertaler im Exil

  4. look this
    http://www.spox.com/myspox/group-videodetail/Rensing-in-action,6692.html

  5. Wirklch sehr informativ! Werde aufjedenfall wieder kommen. Danke fuer den Beitrag.

    Gruss
    Andres


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